Interview mit Kurt Egger- Green Region Zürich

Interview mit Kurt Egger

Kurt Egger
Kurt Egger, Leiter Energie Schweiz für Gemeinden

Kurt Egger, am 28. September fand im Anschluss an den Energietag des Bundesamtes für Energie eine Veranstaltung für die Gemeinden statt. Was ist die Rolle der Gemeinden in der Energiewende?
Die Gemeinden nehmen eine wichtige Funktion ein. Jede Stufe, der Bund, die Kantone und die Gemeinden, muss ihren Beitrag leisten. Die Gemeinde ist die Stufe, die am nächsten bei den Bürgerinnen und Bürgern ist. Deshalb können auf Gemeindeebene am meisten und am schnellsten Massnahmen umgesetzt werden.

Welche Erfahrungen sammelten bestehende ausgezeichnete Energiestädte?
Viele Energiestädte haben ihre Aktivitäten in Zusammenhang mit der Energiewende verstärkt und gute Erfahrungen gemacht. Zur Erhöhung des erneuerbaren Stroms unterstützen Energiestädte private Photovoltaikanlagen. Die Nachfrage ist sehr hoch und es werden regionale Arbeitsplätze geschaffen. Ebenso verkaufen viele Energiestädte standardmässig nur noch erneuerbaren Strom.

Das Bundesamt für Energie BFE hat die Arbeitsgemeinschaft EnergieSchweiz für Gemeinden beauftragt, die Schweizer Gemeinden und Städte zu unterstützen. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?

Alle Massnahmen laufen über dieses Netzwerk zusammen. Dieses besteht aus über 500 Gemeinden mit 4.7 Mio. Einwohnern und etwa 90 Beratern. Jede Gemeinde hat einen persönlichen Berater. Die alljährlichen Beratungen enthalten Umsetzungshilfen wie auch finanzielle Unterstützungen bei sogenannten innovativen Projekten, kurz: massgeschneiderte Energieprogramme für die Gemeinden.

Welche Funktion hat der Trägerverein Energiestadt in der Energiestrategie 2050 des Bundesrates?
Einerseits die Begleitung der Gemeinden, andererseits die Zertifizierung „Label Energiestadt“. Beurteilt werden sechs energierelevante Bereiche, beispielsweise die kommunalen Gebäude und Anlagen. Ziel ist, dass eine Energiereduktion von einem Prozent pro Jahr in jeder Gemeinde erreicht wird.

Prioritäten auf Bundesebene sind unter anderem die Stärkung der Energieeffizienz und der Ausbau des Anteils an erneuerbaren Energien. Welchen Beitrag werden die Gemeinden hier leisten können? Was sind die Herausforderungen?
Die Gemeinden sind in diversen Bereichen gefordert. Im Bereich Wärme liegt das Potential der Zukunft in erneuerbaren Energien: Holz, Biomasse, Sonne. Die Gemeinden können dafür sorgen, dass grosse Anlagen erstellt werden, welche ganze Quartiere beheizen. Im Bereich Strom sind Photovoltaikanalgen und teilweise Biomasse- und Wasserkraftwerke zukunftsversprechend. Die Gemeinden können solche Anlagen unterstützen und den Kunden Ökostrom anbieten.

Eine wichtige Aufgabe der Gemeinden ist die Beratung und Sensibilisierung. Zum Beispiel die Hauseigentümer für die Investition in die Gebäudesanierung oder Mieter für den Umstieg auf energieeffiziente Geräte. zu sensibilisieren, ist keine leichte Aufgabe, da hier immer auch der finanzielle Aspekt eine Rolle spielt.

Grundsätzlich stärken die Gemeinden mit der Umsetzung von Handlungsmodulen in ihrem Tätigkeitsbereich ihre Vorbildwirkung und ihr Image gegenüber Bevölkerung und KundInnen; sie leisten einen wertvollen Beitrag zum Aktionsplan „Energieeffizienz und Erneuerbare Energien des Bundes“ sowie zur Erreichung der Schweizer Klimaschutzziele.

Energiestädte beschlossen, den Gebäudestandard 2011 als behördenverbindliches Instrument für ihre kommunalen Bauten einzuführen. Was bedeutet dies in der Umsetzung?
Das bedeutet, überall bei den kommunalen Neubauten die beste Technik anzuwenden (Minergie P, Neubaustandard der 2000-Watt-Gesellschaft), nur hocheffiziente Haushalt- und Bürogeräte mit entsprechenden Energieetiketten (nach Topten.ch) einzusetzen und öffentliche Einrichtungen mit erneuerbaren Energien wie Ökostrom zu betreiben, etc. Das Prinzip lautet: beste Technologie wenn immer möglich einzusetzen. Jede Gemeinde beschliesst ihre eigenen Vorkehrungen, die Verwaltungen verpflichten sich für deren Umsetzung.

Kann man von einer Stärkung der Gemeindeautonomie sprechen?
Im rechtlichen Sinne nein, in der Wahrnehmung jedoch sicher. Die Gemeinden werden in ihrer Autonomie gestärkt, indem sie bewusst diese verantwortungsvolle Aufgabe erhalten. Sie sind in der Umsetzung viel schneller als andere Einrichtungen auf Bundesebene. Kürzere Entscheidungswege erlauben eine sofortige Handlungsfähigkeit. Jede Gemeinde hat die Möglichkeit, sich durch eigene Aktivitäten zu profilieren und kann somit gutes Standortmarketing betreiben. Das war vor fünf Jahren noch nicht möglich.

Interview: Julia Weber

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